Die Badminton-Abteilung stellt sich vor

Keine Nachwuchssorgen beim Badminton

Jeden Freitag erlernen ca. 60 Kinder und Jugendliche im Franz-Hoffmeister-Schulzentrum in Bestwig Badminton. Die Abteilung ist bereits 1956 gegründetworden und feiert im kommenden Jahr das 50-jährige Bestehen. Die Sportart „Badminton“ ist vielen besser bekannt als das Spiel mit dem Federball. Im Gegensatz zu dem beliebten „Straßenfederball“ ist Badminton ein Hallensport und besteht aus einem Mannschaftswettkampf mit 2 Herrendoppeln, 1 Damendoppel, 1 Dameneinzel, 3 Herreneinzeln und 1 Mixed.


Gertrudis Badmintonnachwuchs

Das Badmintontraining findet freitags von 16.00 – 17.00 Uhr unter der Leitung von Gertrudis Dohle mit der Anfängergruppe von 8 – 11 Jahren statt. Spielerisch erlernen die Kinder die Grundbegriffe wie Schlägerhaltung, Laufkombinationen, Schlagtraining mit Flug-, Stopp- und bei manchen kleinen Supertalenten schon mit Schmetterball.

Ab 17.00 Uhr trainieren die Schüler und Jugendlichen unter der Leitung von Raphael Pavan und Martin Vollmer. Hier wird der Schwerpunkt auf Konditions- und Leistungssteigerung gelegt, d. h. ohne ein ausgiebiges Aufwärmtraining und Laufeinheiten zu Beginn des Trainings geht nichts. Daran schließt sich dann ein Schlagtraining mit den verschiedenen Schlagkombinationen an. Wenn dann alle so richtig warm sind, geht es darum, in Mannschaftspaarungen die eigene Leistung nochmals zu steigern und für evtl. anstehende Meisterschaftsspiele in den Doppeln und Mixed die erlernte Spieltaktik anzuwenden und aufzubauen.

Natürlich kommt auch der Spaß nicht zu kurz und gelegentlich wird auch einmal Fußball oder Basketball zum Aufwärmen gespielt. Durch den Mannschaftskampf wird der Zusammenhalt untereinander gestärkt und der soziale Kontakt verbessert. Am allerbesten ist für die Jugendlichen aber als Belohnung nach einem Mannschaftsspiel - egal ob Sieg oder Niederlage – ein Abstecher zu einem allseits bekannten „Fast-Food-Restaurant“, wo dann nochmals über die durchgeführten Spiele diskutiert wird.

Blick ins Archiv: Als Badminton das Laufen lernte...

Die Badmintonabteilung feierte 2006 das 50jährige Bestehen. Aus diesem Anlass erinnert „Abpfiff“ an die großen Erfolge die TuS Badmintonspieler Mitte der 60er Jahre erzielten. Christa Schulte-Wiese und Reinhold Fröndhoff sorgten für die größten Erfolge. Den Weg der beiden Ausnahmespieler möchte „Abpfiff“ anhand von Presseartikeln der Jahre 1965 – 1967 nachvollziehen. Auszüge dokumentieren den außergewöhnlichen Weg. 1965 richtet der BC Düsseldorf erstmals die Badminton-Junioren- und Schülermeisterschaften des Landes Nordrhein Westfalen aus. Zum Endspiel der Junioren erscheint folgender Abschnitt: Das Endspiel des Junioren-Jungen-Einzels erreichten die beiden gesetzten Spieler Roland Maywald (1. BC Beuel) und Reinhold Fröndhoff (TuS Velmede-Bestwig) beide ohne Satzverlust. Im ersten Finalsatz schien sich dann eine Überraschung anzubahnen. Fröndhoff startete nämlich sehr gut und zog 10:1 12:4 13:6 und 14:11 davon. Maywald hatte nun bange Minuten zu überstehen. Dann vergab Fröndhoff jedoch einige Satzbälle, Maywald konnte auf 15:14 gleichziehen und in der Verlängerung den Satz noch 17:14 gewinnen. Fröndhoff setzte am Netz angeschnittene und platzierte Bälle und brachte seinen Gegner damit in Verlegenheit. Maywald ließ sich im zweiten Satz jedoch nicht mehr überraschen, hatte inzwischen seinen Spielrhythmus gefunden und siegte dann klar mit 15:2.


Reinhold „Matz“ Fröndhoff

1966 dann fanden die Deutschen Meisterschaften in Bremen Schwacht- hausen statt. Auch dort erzielte er wieder großartige Erfolge. Der deutsche Jugendausschuss hatte Reinhold Fröndhoff auf Platz2 gesetzt und der TuS Spieler konnte die Hoffnungen auch erfüllen. Nach Siegen über den Vizemeister von Niedersachsen Thiemann schlug er auch den Rheinlandbesten Bösl, auch Stephan vom BC Lünen konnte geschlagen werden. Damit stand Fröndhoff unter den letzten vier. Sein Gegner, nun schon zum drittenmal, hieß Friedel Kruse, Marl-Hüls. Im ersten Satz zog der TuS Spieler schnell auf 15:4 davon und erst im zweiten Satz konnte Nationalspieler Kruse die richtige Einstellung finden. Lange ging der Kampf hin und her bis R. Fröndhoff sich mit 18:17 für das Finale durchsetzen konnte. Hier traf er dann auf Roland Maywald BC Beuel, der von Deutschlands Junioren und von vielen Senioren nichts zu befürchten hat. Der Beueler gewann mit 15:4 und 15:7 doch zeigte Fröndhoff ein sehr gutes Spiel. Auf Grund der guten Leistungen dürfte eine Berufung in die Nationalmannschaft nicht lange auf sich warten lassen.

Im gleichen Jahr erfolgte dann auch der erste Einsatz in der Jugendnationalmannschaft bei einem internationalen Turnier in Holland.

Christa Schulte Wiese tauchte erstmals 1966 bei den Deutschen Meisterschaften in Bremen auf und spielte sich auf Anhieb unter die letzen 16. 1967 führte der Weg steil nach oben. Unter dem Titel „Christa schaffte deutschen Vize!“ schrieb die heimische Presse: Die 15. Deutschen Meisterschaften der Badmintonjugend in Frankfurt wurden auch in diesem Jahr für die Teilnehmer des TuS Velmede-Bestwig zu einem großen Erfolg. Christa Schulte Wiese und ihre Partnerin Potthoff kam nach verhältnismäßig sicheren Erfolgen im Mädchen Doppel ins Finale gegen die Niedersachsen Aumüller/Schnelle. ... Für die junge Christa Schulte Wiese, zum zweitenmal Teilnehmerin der Deutschen Meisterschaften war der Vizemeistertitel ein großer Erfolg.

Noch stärker als im Doppel wirkte Christa im Mädchen Einzel. Ihre ersten Spiele stellten sie nicht auf eine große Probe. Ernst wurde es, als sie gegen Kampmeyer, 1 FCB Marl, der Gewinnerin des westdeutschen Nachwuchsturniers, kam . War die Marlerin in den bisherigen Begegnungen erfolgreich gewesen, so drehte sich diesmal das Blatt. Im ersten Satz mit 11:8 noch ein starker Widerstand der Marlerin, aber der zweite Satz brachte mit 1:3 die Entscheidung für Schulte Wiese.

Christa Schulte Wiese (rechts)

Um den Eintritt ins Halbfinale traf Christa dann auf die neue Deutsche Meisterin Riekhoff, BC Lübeck. Die TuS Spielerin zeigte in diesem Spiel schnelles und hartes Spiel. Die Deutsche Meisterin war mehr als einmal ins Schwimmen geraten, hauchdünn verlor Christa den ersten Satz 11:12. Im zweiten Satz war die Routine der Lübeckerin ausschlaggebend, denn sie gewann mit 11:7. Für Christa Schulte Wiese trotz der Niederlage ein bemerkenswertes Ergebnis, das sie auf Platz 4 bis 5 in Deutschland brachte. Da Christa noch ein weiteres Jahr in der Jugend spielen kann, dürfte eine weitere Steigerung 1968 möglich sein. Und diese Steigerung kam dann 1968 tatsächlich. Sie schaffte den Titelgewinn und die Westfalenpost schrieb:

Was selbst die größten Optimisten beim TuS Velmede-Bestwig nur insgeheim gehofft hatten, hat Christa Schulte Wiese gestern am späten Nachmittag in Ludwigshafen tatsächlich geschafft. Sie wurde Deutsche Jugendmeisterin im Badminton. Beim Einzel der Mädchen schlug sie die favoritisierte Angelika Meier vom VfB Lübeck 11:5 und 11:10. Und zusammen mit ihrer Partnerin Christa Frankus aus Lüdinghausen kam die 18jährige Schülerin im Doppel obendrein noch auf den beachtlichen 3. Platz. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht gestern in Velmede-Bestwig und löste helle Begeisterung aus. „Ich habe wohl noch nie im Leben so gute Nerven gehabt!“ Das sagte Christa Schulte Wiese, die neue Deutsche Jugendmeisterin. Die guten Nerven hatte sie im Endspiel auch bitter nötig. Zweimal lag sie mit acht bzw. sieben Punkten zurück (2:9 und 2:10). Christa nachher: „Die betreuer am Spielfeldrand haben gezittert. Ich war die Ruhe selbst.“

Willi Rülker, Marita Erlmann, waren in diesen erfolgreichen Jahren weitere Spieler, die bei den Deutschen Meisterschaften für den TuS Velmede-Bestwig starteten. Wenn auch der ganz große Erfolg später nicht mehr wiederholt werden konnte, so sollte noch für viele Jahre der Name des TuS Velmede-Bestwig bei den Nordrhein-Westfälischen Meisterschaften eine feste Größe sein.